STEFAN BRESSEL

hortus conclusus, 2016





 

Tigerstripe, DPM, ERDL, T.Mimetico, Splitter, Fleck und Eichenlaub sind die sieben Einzelelemente des „hortus conclusus“. Der geschlossene Garten war ein fester Bestandteil mittelalterlich christlicher Bildikonographie. Stefan Bressel nutzt den Bildtitel für die Serie der sieben Objekte hier im Pflanzsystem. Hochglänzende abstrakte, perfekt geformte Gebilde mit amorpher Kontur, zwischen den Beeten verborgen und doch sichtbar, erobern sich wie selbstverständlich das Terrain  inmitten der Pflanzenwelt, irritieren, verschieben gewohnte Blickachsen, verdecken Blüten und Blätter in ihrem Hintergrund, um dafür einzelne Partien in ihrem Vordergrund zu verdoppeln. Unweigerlich dreht man den Kopf. Wo kommt diese rote Blüte her oder dieses exotische Blatt.

Schöne, außergewöhnliche Formen hat der Künstler hier geschaffen, die wunderbar zu Assoziationen anregen: ein tanzender Troll, ein springender Hase, ein kriechendes Krokodil.... Man wäre fast geneigt, sich ganz ihrer Ästhetik hinzugeben, wären da nicht diese doch eher irritierenden Namen. Es sind die Namen von Camouflagen, von Tarnmustern, für jeden Krieg in jeder Region nach genau definierten Form- und Farbsystemen entworfen. Auch bei den Camouflagen gibt es ein System von Verwandtschafts- und Entwicklungsbeziehungen wie in der umgebenden Pflanzenwelt. Der Künstler hat einzelne Elemente aus dem Muster isoliert und wesentlich vergrößert. Die Separierung und Maximierung hat den Formen gut getan, so können sie den Schrecken, den sie sonst verbreiten, weit hinter sich lassen.


„hortus conclusus“ wird bis Ende November im Botanischen Garten Erlangen zu sehen sein, damit der Dialog der spiegelnden Objekte mit der sich verändernden Flora beim Wechsel von Sommer zu Herbst / Winter beobachtet werden kann. Die Arbeit war Teil der Gemeinschaftsausstellung „Sehnsuchtsort“.


Stefan Bressel wurde 1964 in Erlangen geboren und hat an der Hochschule der Bildenden Künste in Kassel, an der Städelschule in Frankfurt und am Goldsmith College in London studiert. Er lebt und arbeitet abwechselnd in Frankfurt und in Palermo.