3. Juni bis 8. Juli 2012                                                                                                                                 

Das „garten_projekt“ im Botanischen Garten in Erlangen präsentiert ganz unterschiedliche künstlerische Positionen von zehn verschiedenen Künstlern, die sich mit individueller Gegenwartskunst dem Thema Garten assoziativ annähern. Dabei tritt die Kunst nicht als dominierendes, sondern als dialogisches Element auf. Es werden Brücken zwischen Natur und Kunst geschlagen, und die ästhetischen Beziehungen zwischen der sich permanent verändernden Naturwirklichkeit und der künstlich generierten Natur ausgelotet.

Intention der Ausstellung ist es, Natur und Kunst harmonisch zusammen zu fügen, und den Besuchern des Botanischen Gartens im Sommer unerwartete Einblicke in das zeitgenössische Kunstschaffen zu gewähren, ihnen gleichzeitig aber auch den, oft schon vertrauten und unverzichtbaren, Grünraum im Zentrum Erlangens durch das Wechselspiel von Kunst und Pflanzenwelt neu erlebbar zu machen.

Neben dem Freiland, den Gewächshäusern und der Neischl-Höhle konnte die im Sommer leer stehende Winterhalle als zentraler Ausstellungsort genutzt werden. In dieser typischen Glashausarchitektur bildet das ausladende und dennoch überaus filigrane kinetische Objekt „Gespinst“ von Volker Krischker einen interaktiven Mittelpunkt. Es wurde speziell für den Ort konzipiert auch dort aufgebaut. Nun tritt es in Dialog mit dem vorbei flanierenden Besucher, es antwortet auf dessen Anwesenheit mit Schwüngen und Drehungen, mit Bögen und Schleifen seiner zierlichen, miteinander verwobenen Stäbe. Diese werden von feingliedrigen Motoren angetrieben. Die von Sensoren initiierten Schwingungen werden weitergeleitet und verstärkt. Das fragile Objekt besteht nicht nur überwiegend aus einem Naturmaterial, sondern es erinnert auch mit seinen fließenden Bewegungen an die Natur.


In unmittelbarer Nachbarschaft zu diesem Objekt sind die Skulpturen von Nele Waldert montiert. Spielerisch ironisch erschließt  sich die Künstlerin Flora und Fauna und kombiniert beides unbekümmert miteinander. Seerosenblüten in zartem Rosa erweisen sich bei näherer Betrachtung als eine Ansammlung von stilisierten Alligatoren, und dass dem Hirschen die Blumen aus dem Geweih wachsen oder dass aus der Gewächshauswand eine einzelne Hand Walderdbeeren reicht, hat sicher auch damit zu tun, dass sich die Künstlerin immer wieder für überlieferte, manchmal schon fast ausgestorbene, bildnerische Handwerke interessiert, in diesem Fall für die traditionelle Blechblumenherstellung, die sie dann ideenreich mit zeitgenössischer Bildhauerei verbindet.


                             © Nele Waldert


Ganz anders ist der  Umgang von Margarete Schrüfer mit dem Thema Blüte in ihrer Serie „Origami-Barock“. Narzissen, Hortensien, Pfingstrosen – wer würde sie nicht sofort erkennen. Doch irgendetwas ist irritierend. Was auf den ersten Blick wie perfekt inszenierte Blumenfotografie aussieht, erweist sich als wesentlich komplexer. Denn das eigentliche Werk ist nicht die Fotografie, sondern die darauf abgebildete Blumenskulptur, welche die Künstlerin virtuos in Origami-Technik hergestellt hat. Eine Technik, die sie während eines Japanaufenthalts kennengelernt hat, und mit der sie nun mimetisch genau, die Blüten in satten leuchtenden Farben erschafft. Präsentiert in schwarzen Plastikeimern vor schwarzem Hintergrund erinnern die Arbeiten an niederländische Blumenstillleben des Barock.